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Waldbiotopkartierung

Der Begriff Biotop setzt sich aus den griechischen Begriffen bios, das Leben, und topos, der Raum, zusammen. Ein Biotop ist also ein abgrenzbarer Lebensraum, z.B. ein Moor oder Teich, mit einer angepassten Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren.

Die Biotopkartierung ist eine Bestandsaufnahme von naturschutzfachlich wertvollen Biotopen. Darunter versteht man die Erfassung, Beschreibung und digitale Darstellung von naturnahen, seltenen und vielfältigen Lebensräumen.

Mit dem Schutz von Biotopen wird ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt geleistet. Darüber hinaus sind ein Moorgewässer oder ein blütenreicher Eichenwald ein lohnendes Ziel für Naturbeobachtungen.

Der Kartenviewer des Staatsbetriebs Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (GeoSN) und des Staatsbetriebs Sachsenforst bietet die Möglichkeit aktiv Waldbiotope in Sachsen zu recherchieren. Interessierte Bürger und Waldbesitzer können sich so ein umfassendes Bild der Waldbiotope in der Umgebung Ihres Wohnortes oder in Ihrem Wald verschaffen. Personenbezogene Daten werden in diesem Online-Dienst nicht veröffentlicht. Weitere rechtsverbindliche Quellen für Angaben zu Biotopen sind die von den Unteren Naturschutzbehörden geführten Listen der nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz bzw. § 21 Sächsisches Naturschutzgesetz geschützten Biotope.

Screenshot des Kartenviewers Waldbiotope

 Kartenviewer mit Waldbiotopen

Hinweise zur Navigation im Kartenviewer und Erläuterungen der Werkzeuge finden Sie in dem Video "Einführung in den Kartenviewer" und in der Online-Hilfe des GeoSN.

Der zuständige Revierleiter berät Waldbesitzer zur Waldbewirtschaftung in den Biotopen.

Naturschutzmaßnahmen im Wald werden vom Freistaat unterstützt. Fördermöglichkeiten für Waldbesitzer bietet die Richtlinie Natürliches Erbe (RL NE/2014) z.B. für Naturschutzfachplanungen und Studien zur Dokumentation von Artvorkommen und für Maßnahmen der Biotopgestaltung und des Artenschutzes. Über die Richtlinie Wald und Forstwirtschaft (RL WuF/2014) wird z.B. der Waldumbau außerhalb von Schutzgebieten und die Verjüngung natürlicher gebietsheimischer Waldgesellschaften in Schutzgebieten mit EU-Mitteln gefördert.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst ist für die Biotopkartierung in Wäldern zuständig. Die Erhebungen im Gelände und die Datenaufbereitung werden von Forstsachverständigen durchgeführt. Die Ergebnisse der Kartierung werden in einem Geo-Informationssystem und einer Datenbank digital gespeichert.

Die Durchführung der Biotopkartierung im Offenland sowie die Datenverwaltung der somit erfassten Biotope erfolgt durch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Ab 2009 werden die Biotope im Rahmen des Grobmonitorings der FFH-Lebensraumtypen erfasst; die eigenständige Biotopkartierung wurde eingestellt.

In Sachsen werden Biotope selektiv erfasst, also die Biotope, die selten, schützenswert oder besonders strukturreich sind. Von 1994 bis 2000 wurde die selektive Waldbiotopkartierung erstmals durchgeführt.

Grundsätzlich ist eine regelmäßige Aktualisierung und Fortschreibung der Biotopdaten notwendig. Im Zeitraum 2006 - 2011 führte der Staatsbetrieb Sachsenforst in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine Aktualisierung der Waldbiotopkartierung im öffentlichen Wald durch. Von 2013 bis 2016 werden die Biotope im Privatwald kartiert.

Ziele der Aktualisierung sind:

  • Fortschreibung bzw. Aktualisierung vorhandener Biotopdaten
  • Flächenscharfe und lagegenaue Abgrenzung der Biotope auf Basis aktueller Luftbilder
  • Neuerfassung von weiteren wertbestimmenden Merkmalen (z.B. Strukturparameter bei Waldbiotopen)
  • Neuerfassung von Biotopen, die aufgrund von Novellierungen des BNatSchG und SächsNatSchG zusätzlich besonders geschützt sind
  • in seltenen Fällen Neuerfassung von weiteren Biotopen
  • Abstimmung und Zusammenführung der Kartierergebnisse aus der Waldbiotopkartierung und der FFH-Ersterfassung

Die Vergabe der Kartierarbeiten erfolgt im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen. Auftragnehmer sind Planungsbüros und freiberuflich arbeitende Forstsachverständige.
Der Verfahrensablauf ist nachfolgend schematisch dargestellt.

Abbildung Verfahrensablauf Waldbiotopkartierung

Die Ergebnisse der Biotopkartierung sind Informationsgrundlage für naturschutzfachliche Aufgaben in Bereichen des Verwaltungsvollzugs:

  • Berücksichtigung bei Planungsverfahren (z.B. Pflege- und Entwicklungspläne, Landschaftspläne, Biotopverbundplanung)
  • Beurteilung von Eingriffen in Natur und Landschaft
  • Fortschreibung der Verzeichnisse und der flurstücksgenauen Kartendarstellung der nach §30 BNatSchG / §21 SächsNatSchG geschützten Biotope durch die Unteren Naturschutzbehörden
  • Umsetzung der naturnahen Waldbewirtschaftung
  • Ableitung von Trends im Vergleich mit vorangegangenen Kartierungen und gegebenenfalls stützende Maßnahmen zum Erhalt gefährdeter Biotoptypen